Pressebericht 18. Kasseler Abfallforum 2006
Mehr als 1.200 Experten der Abfallwirtschaft diskutierten über drei Tage
die neuesten Trends und Entwicklungen in der Abfallwirtschaft im
Kongresspalais der Kasseler Stadthalle. Dieser unter der wissenschaftlichen
Leitung von Prof. Dr. Klaus Wiemer vom Witzenhausen-Institut veranstaltete
Fachkongress führte Wissenschaft und Praxis zusammen und behauptete seine
führende Stellung in Deutschland und Europa. Gut 20.000 Fachleute fanden seit
dem ersten Abfallforum im Jahr 1990 den Weg nach Kassel.
Die Teilnehmerzusammensetzung zeigt die Bedeutung dieser Veranstaltung für
Wirtschaft und öffentliche Hand: 52% Industrie, 36% öffentliche Einrichtungen
und 12% wissenschaftliche Einrichtungen repräsentieren das Teilnehmerspektrum.
Wie in den vergangenen Jahren wurde das Abfallforum von einer Fachmesse
begleitet. 84 Fachaussteller der Industrie, mehr waren in den Räumlichkeiten
des Kongresspalais nicht unterzubringen, ergänzten die Fachveranstaltung und
schafften Raum für den fachlichen Diskurs.
Erstmals fand im Rahmen des Kasseler Abfallforums ein Benefizkonzert statt.
Die von Jehudi Menuhin persönlich preisgekrönten Geigerinnen Alie und Lilya
Bekirova spielten gemeinsam mit dem bekannten Pianisten Michail Lifits Stücke
von Sarasate, E. Elgar, D. Schostakovich, F. List, A. Piazzola und anderen.
Die Erlöse fließen in einen von den Künstlern gemeinsam mit Prof. Wiemer
gegründeten Verein zur Förderung junger Musiktalente aus Osteuropa (Chancen
für junge Musiker e.V.).
Zu den Inhalten
Im Mittelpunkt der diesjährigen Fachveranstaltung stand das separate
Stoffstrommanagement von Abfällen. Zehn Monate nach Inkrafttreten des
Ablagerungsverbotes für unbehandelte Siedlungsabfälle ist eine vollständige
Neuorientierung in der Abfallwirtschaft zu verzeichnen. Die TA-Siedlungsabfall
schaffte hierzu den erforderlichen Rahmen des Verordnungsgebers, die allgemeine
Klimadiskussion und die Steigerung der Energiepreise taten ihr Übriges.
Zukünftig landen somit keine unbehandelten Abfälle mehr auf Deponien. Restmüll
wird in Einzelfraktionen separiert, stofflich verwertet oder energetisch
behandelt.
Trotz getrennter Abfallsammlung besteht der Restmüll immer noch zu mehr als 50%
aus Biomasse, also nachwachsenden Rohstoffen. Diese gilt es, in Anlagen mit
hohem energetischen Wirkungsgrad zu nutzen, denn die Biomasse aus Abfällen, so
Ministerialdirigent Dr. Jung vom Umweltministerium Rheinland-Pfalz, wird auf
lange Zeit in deutlich größeren Mengen anfallen, als dies für die Anbaubiomasse
für alternative Energieerzeugungszwecke der Fall sein wird. Das Umweltbundesamt
geht in diesem Zusammenhang davon aus, dass erst ab dem Jahr 2050 mehr
Anbaubiomasse zur Verfügung stehen wird, als dies bei Restabfällen der Fall ist.
Wie Jung betont, ist das Deponierungsverbot insgesamt als Segen für die
bundesdeutsche Technologielandschaft zu sehen, da hierdurch Innovationen
initiiert würden, für die aus globaler Sicht ein erheblicher Bedarf bestünde.
Staatsminister Dietzel vom Hessischen Umweltministerium forderte in seinem
Grundsatzreferat die weitergehende Aufbereitung von Abfällen zur stofflichen und
energetischen Verwertung sowie eine Neudefinition des Abfallbegriffs. Der
Tagungsleiter, Prof. Wiemer, forderte in diesem Zusammenhang die völlige Abkehr
vom Abfallbegriff. Abfälle seien als Ressourcen zu verstehen und entsprechend zu
nutzen.
Die TA-Siedlungsabfall hat mit ihren strengen Anforderungen die Position der
deutschen Entsorgungswirtschaft gestärkt, so Peter Hoffmeyer, Präsident des
Bundes der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Seit 1993 seien mehr als 20
Milliarden Euro in neue Anlagen investiert und 15.000 neue Arbeitsplätze
geschaffen worden, die Hälfte davon in privaten Unternehmen.
Entsorgungsunternehmen definierten sich bereits heute zunehmend als
Rohstoffproduzenten. Hoffmeyer sprach in diesem Zusammenhang von „urban mining“,
da es absehbar sei, dass die Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus Abfällen
kostengünstiger werde als die aus primären Rohstoffen.
Rüdiger Siechau, Vorstandsvorsitzender des Verbandes Kommunale Abfallwirtschaft
und Stadtreinigung (VKS), stellte in seinem Referat den Kampf um die Abfälle
sowohl bezogen auf Haushalts- als auch Gewerbeabfälle in den Vordergrund.
Hierbei spannte Siechau den Bogen zwischen kommunaler Daseinsvorsorge und
Nachhaltigkeit. Sichau forderte die Neuordnung des Dualismus zwischen kommunaler
und privater Anfallwirtschaft. Hierbei forderte der VKS die deutliche Ausweitung
der Zuständigkeit kommunaler Entsorgungsträger als Garant der Planungssicherheit
in Bezug auf Haushalts- und Gewerbeabfälle, Verwertung und Beseitigung, die
Getrenntsammlung sowie Erfassung und Verwertung der Verpackungsabfälle.
Im Mittelpunkt der weiteren Vorträge standen Erfahrungen mit der Umsetzung des
Elektro- und Elektronikgerätegesetzes, die Abfallaufbereitung, die Erzeugung und
Verwertung von Sekundärbrennstoffen, die biologische Abfallbehandlung sowie die
Abfall-deponierung unter neuen Randbedingungen. Den Abschluss der Veranstaltung
stellte ein Rechtsblock dar, in dem auf Neuerungen im europäischen Abfallrecht
eingegangen wurde.
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